Deutsche Wirtschaft könnte langfristig unter Coronavirus leiden

26. Feb. 2020, 12:13

Die deutsche Wirtschaft könnte auch in Zukunft unter dem Coronavirus leiden – zumindest wenn es sich weiter ausbreitet. Die Industrie könnte es am stärksten treffen.

Bei einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus ist die Wahrscheinlichkeit nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) groß, dass ein permanenter Schaden für die Wirtschaft in Deutschland entsteht.

Das Coronavirus „trifft die deutsche Wirtschaft zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn die deutsche Wirtschaft lahmt schon. Letztes Jahr 0,5 Prozent Wachstum, das war eine der schwächsten Wachstumsphasen in ganz Europa“, zitiert der Sender RTL DIW-Chef Marcel Fratzscher. Betroffen seien vor allem Exporteure, Autobauer und Fluggesellschaften. Fratzscher forderte den Staat auf, mit Investitionen gegenzusteuern.

Zu dieser Schlussfolgerung kommt das DIW auch in seinem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbarometer. Demzufolge dürfte die deutsche Wirtschaft auch wegen der Ausbreitung des Coronavirus im ersten Quartal nahezu stagnieren.

Das Bruttoinlandsprodukt werde voraussichtlich nur „um ein knappes Zehntel gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr zulegen“, geht aus der Einschätzung des DIW hervor. Die Coronavirus-Epidemie störe Lieferketten und könne das Ausgabeverhalten privater Akteure vielerorts vorübergehend empfindlich dämpfen.

Experten: „Corona-Effekt unklar“

„Bisher ist der Corona-Effekt aber unklar und nicht zu beziffern“, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Fest steht nur: Die exportabhängige deutsche Industrie wäre bei einer anhaltenden weltweiten Ausbreitung des Virus besonders betroffen – etwa, wenn es zu Lieferengpässen bei aus China bezogenen Vorleistungsprodukten kommt.“

Das laufende Quartal dürfte aber unabhängig vom Coronavirus schwächer ausfallen als bislang vermutet und die Industrie insgesamt in der Rezession verharren. Dagegen treibe der private Konsum die Konjunktur weiterhin an.

„Der private Verbrauch dürfte spürbar ausgeweitet werden: Die Lohneinkommen steigen weiter merklich, und der Staat entlastet die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erneut“, erläuterte DIW-Konjunkturexperte Simon Junker. Die Umsätze konsumnaher Dienstleister dürften daher kräftig zulegen.

Quellverweis: Telekom